
Alsdorf liegt heute etwas außerhalb meines Verbreitungsgebietes. Vor 35 Jahren war die Bergbaustadt zeitweise der Mittelpunkt meiner beruflichen Tätigkeit. // Archivfoto: Ulrich Simons |
15. Dezember 2025
15. Dezember 1995
Vor 30 Jahren fällt Alsdorfs Wahrzeichen
Ein grauer Tag. Es ist schweinekalt.
Ein Hauch von Schnee hat sich in der Nacht über Alsdorf gelegt.
Am Morgen habe ich mein Stativ mit der Nikon F2A auf der Dachterrasse des Hochhauses am Denkmalplatz aufgebaut.
Einfach bei irgendwem im Haus geklingelt.
"Guten Tag, ich bin von den 'Nachrichten' und würde gerne ..."
Kein Problem.
Die Alsdorfer habe ich in bester Erinnerung.
Jeder Zweite war damals irgendwie mit "d'r Kull" verbunden.
Einfach, ehrlich, geradeheraus.
Tolle Typen.
Auf den Speicher, die Tür stand offen, und dann raus auf den Umgang.
Perfekter Blick rüber aufs Areal der Grube Anna, wo groß und grau der fast 70 Meter hohe Förderturm des Franzschachtes alles überragt.
Noch.
Gleich soll er fallen.
Das sollte er eigentlich schon gestern.
Doch außer einem dumpfen Knall war nichts passiert.
Der Riese hatte nicht mal gezuckt.
Über Nacht haben sie zusätzliche Sprengladungen angebracht.
Ein lebensgefährliches Unterfangen, weil man nicht wusste, in wieweit die erste Sprengung die Struktur des Kolosses geschwächt hatte.
Gleich wollen sie ihm endgültig die Beine weghauen.
Ein langgezogener Hupton.
Eine kleine Staubwolke am Fuß des Giganten.
Mit kurzer Verzögerung der Knall.
Dann neigt der Koloss sich langsam zur Seite.
Diesmal läuft alles planmäßig.
Vielleicht zehn Sekunden, dann sind die drei weßen Buchstaben in einer gewaltigen Staubwolke verschwunden.
Es ist das weithin sichtbare Ende der Bergbaustadt Alsdorf.
Fotos: Ulrich Simons
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