
Außer Betrieb: Seit Anfang Juni tröpfelt die Quelle des Paubachs am Eberburgweg infolge der wochenlangen Trockenheit nur noch vor sich hin. Für die Fontäne und das Bassin am "Wassermann" an der Kaiser-Friedrich-Allee (Foto) reicht der Druck nicht mehr aus. Das hat es noch nie gegeben. // Foto: Ulrich Simons |
17. Juli 2023
Zu wenig Regen: Gefährdet
der Klimawandel das Pau-Projekt?
"Da der Paubach selbst an trockenen und heißen Sommertagen genug Wasser führt, eine überragende historische Bedeutung einnimmt und mitten durch den belebten Kern der Innenstadt fließt, bezieht sich das Leitkonzept (Anm.: aus dem Jahr 2019) in einem ersten Schritt auf die Nutzung zweier im Untergrund verborgener Bachwasser-Bezugsquellen: Die Klappergasse und die Rennbahn im Schatten des Domes können durch die historische Paubachdruckleitung mit fließendem Bachwasser "versorgt" werden, die Stadtraumfolge vom Theater über den Elisenbrunnen bis in die Peterstraße hinein durch das Wasser des Paubachkanals."
Das Zitat entstammt dem Beitrag "Das Leitkonzept der Stadt Aachen 'Aachener Bäche sichtbar und erlebbar machen'" von Markus Ulrich und Helmut Berg in der Sammlung "Die Aachener Bäche", herausgegeben vom Ökologie Zentrum Aachen. Die Buch stammt vom Juli 2021.
Zwei Jahre später ist nichts mehr wie es mal war.
Nur noch heiße Luft am "Wassermann"
Ein trauriger Anblick: Seit mehr als einem Monat bläst der "Wassermann" an der Kaiser-Friedrich-Alle nur noch heiße Luft in die Betonwanne zu seinen Füßen. Früher plätscherte hier im Tritonenbrunnen
mal die Pau, doch infolge der wochenlangen Trockenheit kommt nicht mehr genug Wasser aus der Quelle am Eberburgweg den Ronheider Berg herunter. "Wir haben dort ein Wassserproblem", gibt die Stadt unumwunden zu.
Neben der Pau sind auch Kannegießerbach (entspringt in den Wiesen bei Grundhaus an der Lütticher Straße und mündet unterm Bootsverleih in den Hangeweiher) und Johannisbach (kommt von Gut Hasselholz) nur noch müde Rinnsale. Aber sie fließen wenigstens noch.
Am Eberburgweg wird die Situation dadurch verschärft, dass aus dem Quellgebiet am Reitstall "Gut Weyern" nicht nur die Pau, sondern auch der Richtung Burtscheid fließende Goldbach versorgt wird.
Kein Gerinne in der Rinne
Dass heiße Sommer die Pau auch in den kommenden Jahren versiegen lassen, möchte bei der Stadt niemand mehr ausschließen.
Was aber wird aus dem geplanten idyllischen Bachlauf durch Rennbahn, Klappergasse und Kleinmarschierstraße, wenn ausgerechnet in der heißen Jahreszeit die Pau den Betrieb einstellt? Es könnte das Ende der tollen Idee bedeuten, wenn zu befürchten ist, dass statt des geplanten kühlenden Wasserlaufs nur noch eine ausgetrocknete Rinne die Stadt durchzieht.
Wie das Problem zu lösen ist, diese Frage kann im Moment offenbar niemand beantworten. Bei den zuständigen Stellen (Umweltamt, Regionetz, Stawag, Untere Wasserbehörde) ist Urlaubszeit.
Vorläufiges Fazit: Statt "Aachener Bäche erlebbar machen" sieht es derzeit mehr nach "Klimawandel erlebbar machen" aus.

Etwa in Höhe des "AugenCentrumDreiländereck" am Brüsseler Ring gabelt sich die Pau unterirdisch. Ein Teil des Wassers fließt verrohrt unterhalb der Straße zum Tritonenbrunnen an der Ecke Kaiser-Friedrich-Allee, der andere Teil läuft offen hinter dem Gut Colynshof (Foto) vorbei. Da das Bachbett ziemlich zugewachsen ist, lässt sich der Verlauf auf diesem Bild nur erahnen. // Foto: Ulrich Simons |

Kurz nach Eintritt in das Grundstück von Gut Colynshof sammelt sich das Wasser der Pau etwa auf halber Höhe zwischen Kaiser-Friedrich-Allee und Maria-Theresia-Allee in einem kleinen Wehr. // Foto: Ulrich Simons |

Wer genauer hinschaut, erkennt: Der Wasserspiegel steht deutlich unter der Überlaufkante. Über diese verschlammte und mit Ästen zugesetzte Stufe ist lange kein Wasser mehr gelaufen. Dass der kleine See nicht noch weiter ausgetrocknet ist, liegt an den schattenspendenden Bäumen. Wesentlicher Nachschub ist derzeit keiner in Sicht. // Foto: Ulrich Simons |

Stehendes Gewässer: Auch im weiteren Verlauf der Pau wie hier am Auslass des Rosenteichs am Ende der Kaiser-Friedrich-Allee ist keine Strömung mehr erkennbar. // Foto: Ulrich Simons |

Am Entnahme- und Überlaufbauwerk des Hangeweihers neben dem Tretbootverleih verschwindet die Pau unterirdisch im Paubachkanal. Dass die Lage hier wieder etwas besser aussieht, liegt am Zufluss des Kannegießerbachs. Am Rehmplatz mündet die Pau in die ebenfalls verrohrte Wurm. Beide zusammen erblicken erst am Europaplatz wieder das Tageslicht. // Foto: Archiv Ulrich Simons |

Ein Bild aus besseren Tagen: Der Kannegießerbach entspringt an Grundhaus in den Wiesen zwischen Hermann-Löns-Allee und Lütticher Straße, durchquert die Gartenkolonie "Weiße Mühle" in einer gemauerten Bruchstein-Rinne und mündet unter dem Bootsverleih in den Hangeweiher. Weil er im November 2019 noch genug Wasser führte, fließt der Bach gleichmäßig zwischen den Gärten hindurch. // Foto: Archiv Ulrich Simons. |

Der Kannegießerbach im Bereich der Gartenkolonie "Weiße Mühle" im Juli 2023. Infolge des geringen Wasserstandes hinterlassen die Unebenheiten in der Sohle des Bachbettes an der Oberfläche ihre Spuren und führen zu einer turbulenten Strömung. An manchen Stellen reicht der Wasserstand nicht mal mehr aus, um die Steine am Boden der Rinne (Bildmitte) zu überdecken. // Foto: Ulrich Simons |
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