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Schwarz oder Rot? OB Kurt Malangré (CDU), hier am Roulettetisch neben Moderator Günther Schramm (re.), brauchte vermutlich nicht lange nachzudenken. // Archivfoto: Ulrich Simons |
02. Juli 1976 / 02. Juli 2026
Vor 50 Jahren:
Das Glück hat eine neue Anschrift
Von Evelin Wölk
Am 8. März 1974 hatte der Landtag für Aachen eine von damals insgesamt vier Spielbanken für Nordrhein-Westfalen genehmigt. Sie sollte im neuen Kurhaus angesiedelt werden. Dies war nicht die erste Spielbank in Aachen, es hatte seit dem 18. Jahrhundert bis Mitte des 19. Jahrhunderts verschiedene Vorläufer gegeben.
Das Internationale Spielcasino Bad Aachen wurde am 2. Juli 1976 mit einem Galaabend und rund 1000 Gästen eröffnet. Es war damals das 21. Spielcasino im Bundesgebiet.
Von Heintje bis Hans-Günter Winkler
An der Eröffnungsfeier nahmen zahlreiche Prominente teil, unter anderem der frühere NRW-Finanzminister Hans Wertz, die Sängerin und Schauspielerin Margot Hielscher und ihr Kollege Curd Jürgens, die Sänger Heintje und Roberto Blanco, der Springreiter Hans Günther Winkler, der Dressurreiter Reiner Klimke und viele mehr.
Oberbürgermeister Kurt Malangré hielt die Eröffnungsrede, und hoffte, dass das Spielcasino möglichst viele Besucher nach Aachen lockte: „Aachen freut sich, Treffpunkt im Dreiländereck zu sein!“ Angedacht waren ungefähr 250.000 Besucher pro Jahr.
Mit dem Wurf der ersten Kugel in das Rouletterad eröffnete Sängerin Daliah Lavi um 23 Uhr das Spiel.
Das Abendprogramm wurde von Fernsehmoderator Günther Schramm (der Walter Grabert aus der Fernsehserie "Der Kommissar" mit Erik Ode) moderiert; neben dem Neuen Kurhaus war ein großes Zelt aufgebaut, in dem Musik gespielt und ein Buffet angeboten wurde.
Die geladenen Gäste erhielten je drei Jetons zu zwei DM, um die verschiedenen Spielmöglichkeiten ausprobieren zu können.
"Ein Ort für alle"
Das neue Spielcasino betonte von Beginn an, dass es kein exklusiver Ort für die Elite der Gesellschaft sein wolle, sondern ein Ort, an dem alle spielen könnten.
Diese Botschaft kam aber nicht bei allen in Aachen gleich gut an: Vor dem Neuen Kurhaus pfiffen und buhten Jugendliche die ankommenden Feiergäste aus. „Bonzen" und "Jugendheime statt Casino" lauteten die Parolen.
"Die Protestanten harrten aus bis in die späten Abendstunden“, berichteten die Aachener Nachrichten damals. (Anm. d. Red.: Vermutlich waren auch Katholiken dabei, und die AN hatten "Protestanten" und "Protestierer" verwechselt.) |
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Vergeigter Schnappschuss: Daliah Lavi singt, Kollege Algirdas Milleris (+ 13.02.2023) läuft durchs Bild. Es war aber auch furchtbar eng alles. // Archivfoto: Ulrich Simons |
Für das Spielcasino waren die Räume des neuen Kurhauses vollkommen neugestaltet worden, die Westdeutsche Spielbanken-Gesellschaft hatte 12 Millionen DM investiert. Es entstanden 220 Arbeitsplätze, davon 150 allein für die Croupiers.
Alle Finessen der damaligen Technik
Ausgestattet war das Spielcasino mit 20 Roulette-, drei Black-Jack und zwei Baccara-Tischen; rund um das Spielen bot das Aachener Spielcasino alle Finessen der damaligen Technik einschließlich computergesteuerter Anzeigetafeln und Endlosdruckern, die die gefallenen Zahlen anzeigten. Für die Innenarchitektur zeichnete der Münsteraner Architekt Harald Deilmann verantwortlich.
Bei einem kalkulierten Umsatz von einer Milliarde Mark wurde ein jährlicher Gewinn von 25 Millionen DM erwartet. Von den Einnahmen der Spielbanken gingen 80 Prozent an das Land NRW, das wiederum 60 Prozent in eine eigens gegründete Stiftung für Wohlfahrtspflege fließen ließ; 15 Prozent der Einnahmen gingen damals an die Stadt Aachen und 5,5 Prozent ging an den Bund.

Damals Speisekarte und Serviette, heute eine Rarität: Die Übersicht mit den Leckereien am Eröffnungsabend. Das Exemplar befindet sich seit 50 Jahren in meinem Archiv. // Foto: Ulrich Simons |
Lange Zeit war das Neue Kurhaus ein Magnet für zahlreiche Besucherinnen und Besucher aus aller Welt, für bekannte Persönlichkeiten, aber auch für Menschen aus Aachen, die einmal ihr Glück versuchen wollten. Für viele war ein Besuch des Spielcasinos nach der Erlangung der Volljährigkeit ein traditionelles Ritual.
Bis zum Frühjahr 2015 blieb das Spielcasino im Neuen Kurhaus, im Juni 2015 zog es dann in den Tivoli um.
Quellen:
Presseamt Stadt Aachen / Evelin Wölk
Berichterstattung Aachener Volkszeitung bzw. Aachener Nachrichten vom 03.07.1974

Da war es schon etabliert. Innenansichten des Internationalen Spielcasinos an der Monheimsallee auf einer Postkarte aus dem Jahr 1977. // Foto: Stadtarchiv Aachen StAAc, FOPK 1-310 |
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