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Die erste Vermutung: Es könnte sich um eine Karsthöhle gehandelt haben. Ein solcher Hohlraum bleibt übrig, wenn sich Kalkstein durch Wasser löst. Doch das gab die Geologie nicht her. Zwar trägt der "Friedrich" - ähnlich wie der Lousberg - einen "Hut" aus Kalkstein, doch der Friedrichweg und das Loch im Berg liegen in einer viel tieferen Schicht am Übergang zu den Vaalser (Grün-)Sanden. Von Kalk weit und breit keine Spur. Eine Verkarstung war hier schlechterdings nicht mehr möglich. Auch Auswaschungen waren nicht erkennbar. Die Geologen packten das große Besteck aus und machten am Computer erst mal den Wald weg. Was so salopp klingt, ist eine verblüffende Aktion am PC, bei der auf einem Luftbild die gesamte Vegetation "weggerechnet" wird. Übrig bleibt der blanke Fels, bzw. Sand. (Im Bild weiter unten sehen Sie den "nackten Friedrich" in der Projektion.)
Verteidigungsanlagen des Westwalls Dafür wurde jetzt etwas anderes erkennbar: Der Friedrich trägt unter seiner grünen Oberfläche noch eine vielzahl an Narben aus den letzten Kriegsjahren. Im September 1944 waren die Alliierten nach der Landung in der Normandie bis an die Westgrenze des Deutschen Reiches vorgerückt. Am "Friedrich" trafen sie zum ersten Mal auf die Deutsche Wehrmacht. Die Bombentrichter an der südwestlichen Flanke des Berges dürften einerseits von Fehlwürfen auf die Eisenbahnlinie nach Belgien herrühren, zum anderen aber auch den Verteidigern an der Westflanke des Berges gegolten haben. Denn in dem baumlosen Relief erkennt man auch Gebäudereste: Bunkeranlagen des Westwalls und Flak-Stellungen. Prof. Klaus Reicherter und Svenja Lohmeyer zündeten die nächste Stufe. Mithilfe von "Georadar" schauten sie in den Boden, maßen zudem den elektrischen Widerstand. Dabei entdeckten sie genau an der Stelle, an der Fee im Boden versunken war, eine "Störungszone".
Der sechste Bohrkern war leer Mithilfe von sechs Kernbohrungen untersuchten sie den Aufbau des Bodens im Bereich der "Absturzstelle". Der besteht dort aus etwa 50 Zentimetern Eisenschlacke und Kriegsschutt auf Lößlehm. Das lässt sich schön im Bohrkern von oben nach unten ablesen. Was das Ergebnis des Georadars vermuten ließ, bestätigte der Bohrkern von der Einsturzstelle: Er kam mehr oder weniger leer ans Tageslicht. Ein weiteres Indiz für die Vermutung, dass es sich um den Kollaps einer menschgemachten Grabung gehandelt hatte. Auch der Grund für den Zusammenbruch nach 80 Jahren lag auf der Hand: Kurz zuvor war der Friedrichweg mit schwerem Gerät instandgesetzt worden. Dabei, so die Vermutung, waren die schweren Baumaschinen auch auf den unbefestigten Randstreifen geraten und hatten die Struktur geschwächt. "Fee" hatte dann den Rest erledigt.
Dass es sich bei dem Loch im Berg nicht um den Zugang zu einem Bunker gehandelt hat, ist für Prof. Reicherter ziemlich naheliegend. "Ein Bunker hatte in der Regel eine Wasserversorgung für seine Besatzung. Der Grundwasserhorizont liegt aber an dieser Stelle 30 Meter unter Geländeniveau. Man hätte für einen Brunnen also viel zu tief graben müssen." Wahrscheinlicher sei daher, dass es sich um ein Versorgungslager für die Besatzung des benachbarten Bunkers unten in der heutigen Wiese gehandelt habe, gewissermaßen eine "Garage im Berg". Auch für eine Flakstellung gegen heranfliegende Flugzeuge sei die Lage geradezu ideal gewesen.
Kein Vorwurf an die Reiterin Beigeordneter Heiko Thomas stellt klar: „Wir machen der Reiterin keinen Vorwurf. Aber auf dem Weg wäre ihr nichts passiert.“ Offenbar bringt allerdings gerade am Friedrich auch fünf Monate nach dem Malheur die Stadt Aachen Reiter weiterhin gezielt vom rechten Weg ab, indem sie beide Seitenstreifen als "Reitbankette" ausschildert. Revierförsterin Anja Wiese versprach, die Lage noch einmal in Augenschein zu nehmen und falls erforderlich umgehend die Beschilderung zu ändern. Masterstudentin Svenja Lohmeyer wird in den nächsten Tage und Wochen ihren Suchradius ausdehnen und weitere Verdachtsflächen im Wald auf unterirdische menschliche Aktivitäten hin untersuchen. Im Moment, so Heiko Thomas, gehe die Stadt allerdings davon aus, dass es sich am Friedrich um einen Einzelfall gehandelt hat. Er empfahl Spaziergängern trotzdem eindringlich, im Wald auf den ausgewiesenen und befestigten Wegen zu bleiben. Für unbelehrbare Mountainbiker bleibt der Aachener Wald dagegen auch 80 Jahre nach Kriegsende ein unkalkulierbares Terrain. |
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© Ulrich Simons |
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