
Christi Himmelfahrt: Am 21. Januar holt die Firma Schmitt-Moos das Grabkreuz auf dem Westfriedhof ab. In vier bis sechs Wochen sollte es restauriert wieder zurück sein. // Foto: Ulrich Simons |
13. April 2026
Sanierung läuft aus dem Ruder:
Das Kreuz mit dem Kreuz
Das hölzerne Grabkreuz der Eltern auf dem Westfriedhof bedarf dringend der Sanierung. Die Wahl fällt auf das Beerdigungsinstitut Schmitt-Moos am Friedhof Hüls. Dort steht ein fast identisches Holzkreuz werbewirksam vor dem Geschäftslokal.
Die Chronik:
19. Januar: Vorgespräch. "Können Sie sowas?" frage ich. „Können wir“, sagt die Tochter des Hauses beim Blick auf meine Fotos. Kostenschätzung nach Rücksprache mit der Firmenleitung: rund 500 Euro. Verbindlich zugesagte Reparaturdauer: vier bis sechs Wochen. "Bis 9. März machbar?" frage ich sicherheitshalber nochmal. "Kein Problem!"
21. Januar: Das ging ja flott. Am Haken des Kranes entschwebt das Kreuz Richtung Wilmersdorfer Straße. "Christi Himmelfahrt" entfährt es meiner Frau spontan, als ich ihr die Fotos zeige.
Wochen später: Der Friedhof Hüls liegt offenbar im Funkloch. E-Mails werden nicht beantwortet, Hinweise auf irgendwelche Probleme gibt es nicht.
26. Februar: Bei meinem Spontanbesuch vor Ort liegt das teilweise abgeschliffene Kreuz immer noch in der Werkstatt an der Wilmersdorfer Straße.
Schmitt-Moos ist nach eigenen Angaben mit dem Auftrag überfordert. Ein Schreiner soll jetzt die noch ausstehenden Arbeiten übernehmen. Chefin Anne Moos: „Es könnte etwas teurer werden.“
Mit würde schon reichen, wenn sie allmählich mal fertig würden.
9. März: Der vereinbarte Liefertermin (Mutters Geburtstag) platzt.
Ein paar Tage später: Der Rücktransport des Kreuzes zum Friedhof verzögert sich um eine weitere Woche: Die Firmenleitung ist spontan in Urlaub gefahren.
23. März: Anlieferung des restaurierten Kreuzes, mehr als zwei Wochen nach dem vereinbarten Termin. Der Chef nennt als neuen Endpreis 800 Euro. Unter anderem hat die Schreinerei am verrotteten Fuß des Längsbalkens kunstvoll zwei neue Eichenstücke für die Schrauben eingesetzt.
09. April: Die Rechnung der Firma Moos ist in der Post: 1142,16 Euro !!! Exakt 128,43 Prozent über dem ersten Angebot,
davon 832,76 Euro für die (zugegebenermaßen perfekte) Fremdleistung der Schreinerei „Eben Holz“ in der Metzgerstraße.
Für Demontage, Lieferung und Transport zum Schreiner berechnet Schmitt-Moos inklusive acht neuer Schrauben zusätzlich 260 Euro plus 49,90 Euro MwSt.
Die Arbeiten, die sie nicht auf die Reihe bekommen haben, hat Schmitt-Moos großzügigerweise nicht berechnet.
Ich muss an den Tag der Anlieferung zurückdenken, als Bestatter Rudolf Moos am Grab die Augen verdrehte und meinte: "Nie wieder!"
Wenigstens in diesem Punkt sind wir uns einig.
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