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Nach einem Sturm mussten die beiden Linden 2023 entfernt werden. „In diesem Jahr soll das Baumensemble auf dem Münsterplatz mit zwei neuen Linden wieder so hergestellt werden, wie es vor dem Sturm war“, erklärt Sven Rachau vom Fachbereich Klima und Umwelt. Da die Baumscheiben zuerst präpariert werden müssen, bietet sich eine seltene Gelegenheit für die Archäologinnen und Archäologen: Der Münsterplatz befindet sich innerhalb der größten ehemaligen römischen Heilthermen Aachens, den Münsterthermen, und zwar in einem Abschnitt, der archäologisch weitgehend unerschlossen ist. Gebaut wird dort nur selten. Jeder Bodeneingriff an diesem historischen Ort wird archäologisch betreut und bietet interessante Funde.
Bereits nach zwei Tagen Grabungszeit gibt es erste Ergebnisse: Einen Zahn, bemalte Keramik und zwei barocke Tabakpfeifen aus Pfeifenton entdeckten die Fachleute bislang. Andreas Schaub und sein Team erhoffen sich tiefergehende Hinweise auf bis dato unbekannte Räume innerhalb der Thermen und auf die Nutzungsdauer der Gesamtanlage. In nachrömischer Zeit zählt das Areal zum engeren Pfalzbezirk. Ein unlängst in der Krämerstraße nachgewiesener Graben der Karolingerzeit könnte als östliche Begrenzung der Pfalz gedient haben. Sein Verlauf tangiert möglicherweise auch die Pflanzgruben. Außerdem war der Münsterkirchhof in früheren Jahrhunderten auch Friedhof, weshalb mit Gräbern gerechnet werden kann. Aufgrund der außergewöhnlichen historischen Bedeutung des Platzes im Schatten des UNESCO-Weltkulturerbes Aachener Dom müssen die Pflanzgruben vollständig in Handarbeit abgetragen werden, um wirklich alle historischen Funde zu finden und dokumentieren zu können.
„Archäologen agieren manchmal wie Forensiker im Tatort: Wir tragen Schicht für Schicht ab, bis wir auf einer Tiefe von 1,50 Meter sind. Dort können wir bereits den Übergang zur Römerzeit entdecken“, führt Andreas Schaub aus. Die aufwändige Dokumentation folgt festgelegten Vorgaben des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege. Wie lange die Grabung nun dauert, liegt zum einen an der Funddichte und zum anderen am Wetter. „Bei intensiven Regentagen können wir Archäologen nicht arbeiten“, erläutert Schaub. Derzeit geht der Stadtarchäologe davon aus, dass mit einer Grabungsdauer von drei Monaten zu rechnen ist. Die neuen Linden werden dann entweder noch direkt im Anschluss im späten Frühjahr gepflanzt – spätestens jedoch in der nächsten Pflanzperiode ab September. Damit die Bäume möglichst lange den Münsterplatz verschönern können, werden die Baumscheiben vor der Pflanzung mit Baumsubstrat versetzt. Ziel ist, den Bäumen eine Standdauer von 60 bis 80 Jahren zu ermöglichen, was für Stadtbäume eine sehr lange Lebenszeit ist.
Quelle: Presseamt Stadt Aachen / Antonia Knop
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